Ein Leben in den Songs von Tele
Tele 30. 03. 2007 - Ilses Erika, Leipzig

Es war ein großartiger Tag, nicht, weil er es wirklich war, aber weil er es im Nachhinein wurde. Zum einen erschien die neue Beatsteaksplatte (siehe da) und dann hatten die Leipziger Wettermacher eine süßliche Sonne an den noch etwas verkühlten Parkhimmel geklebt, wo zum Beispiel Sumsum den Geburtstag ihrer Drummerin feierten und wo unter anderem deren Gitarrist das Seiltanzen lernte und nachher fuhr gefühlt halb Leipzig in die beengten Mauern der Ilse. Und während man noch sein Fahrrad abschloß, latschte Francesco mit Rucksack um die Ecke und hatte sich auch heute nicht rasiert, hach, herrlich. Als sich dann alle Gäste heringsgleich vor die kleine Bühne gezwängt hatten, versuchten Tele, eben jene zu erklimmen. Dann ging es los, ein unglaublich guter Sound nahm sofort Besitz von den Anwesenden, Francesco wand sich am Mikro auf die bewährte charmante Art und seiner Band gelang es, sich frei zu machen von jeglicher Enge und zu spielen als ob es kein morgen gäbe. An Tanzen war kaum zu denken, aber die Münder wurden bewegt, zu einem jeden Song, ob er nun von der aktuellen oder den älteren Platten stammte - sie alle funktionierten wunderbar. Einmal mehr bewiesen die Jungs, dass sie musikalisch viel subtiler agieren, als man es beim leicht dahergesagten "Deutsch-Pop" vermuten könnte. Dabei springt die Spielfreude auf die Zuhörenden über und in Ermangelung von Gitarren und anderen Instrumenten wird mit Händen, Augen, Füßen, Gedanken und lächelnden Mundwinkeln mitgespielt. Nach kurzer Zeit war die Temperatur weit über die im feindosiert revolutziösen "Fieber" besungenen Wärmegrade gestiegen und Teleschweiß mischte sich am Bühnenboden mit Bier und Begeisterungsrufen glühender Fans und neuer Freunde. Für die obligatorischen Popmiezen am Bühnenrand war es genauso ein Erlebnis wie für die etwas ruhiger beobachtenden Musiker, die sich über eingestreute Synkopen und Breaks genauso freuten, wie über ein minutenlanges, virtuoses Basssolo und die mehrstimmigen Begleitungen zu Francescos Gesangsakrobatik. Ganz wichtig an Telegigs wurde auch hier das Publikum mit einbezogen in das, was auf der Bühne geschah, so dass es sich irgendwann nach Wohnzimmerkonzert erster Güte anfühlte. Natürlich war nach 14 Songs noch nicht ans Aufhören zu denken, auch wenn die Musiker echt wie Kim Frank erschöpft zu sein schienen. Da sie gar nicht weit weg laufen konnten von der Bühne, wurde kurzerhand weitergespielt, noch ein zwei Songs von "Wir brauchen nichts" und auch gerne eine dritte Zugabe, für die dann noch extra eine neue Snare aufgebaut wurde. Glückseeligkeit allenthalben nach der Show, sowohl bei Band als auch beim Publikum - alle zufrieden, alles gut. Nachher erwischte ich dann noch Tobi beim Gitarre abbauen und auch Francesco beim Biertrinken, wahrscheinlich habe ich in meiner Euphorie und Dankbarkeit für die Texte und Musik etwas unpassend gewirkt, aber das musste dann wirklich einfach mal raus. Den Rest der Nacht habe ich an "Rio de Janeiro" und Norddeutsche Hafenstädte gedacht. Und Songs geschrieben...
plants