May 2007
Beatsteaks
beatsteaks
im conne island, 20.05.2007

es gibt clubs, die sich auf keine musikrichtung festlegen, da ist alles möglich. es gibt clubs, die sich auf eine musikrichtung einschießen und wo man nur derenthalben hingeht. darunter gibt es dann clubs, die zu von den jeweiligen bands immer besucht werden, weil sie natürlich das jeweilige publikum haben. und es gibt auch clubs, die gehören zu einer bestimmten band, wie ein zusätzliches bandmitglied oder der erfolgsproducer. quasi 2. proberaum, erste heimat... bei den beatsteaks habe ich den eindruck, die haben in jeder stadt einen club, der einfach zu einer beatsteakstour dazugehört. die batschkapp. die columbiahalle ;-) . oder eben und nicht zuletzt das conne island in leipzig.
das ähnelt an diesem sonntagabend im mai einer pilgerstätte, mehr noch als sonst. nur wenige tage, nachdem im dezember vergangenen jahres die tourdaten für das lang erwartete neue album fest standen, bekam man im ci nur noch wenige karten für das konzert. und das, obwohl die beatsteaks ein paar wochen später nochmal in der stadt waren, im wesentlich größeren haus auensee, was für den ausverkauf etwas länger brauchte. und es sind bei weitem nicht nur leipziger dabei. schon auf dem weg in den leipziger süden macht sich eine interessante stimmung breit. der weg ist in vorbereitung des g8-gipfels von bgs-bullies gesäumt, die einem selbst den eindruck geben, man befände sich auf dem weg zu einem verbotenen treffen des schwarzen blocks. auf dem gelände dann herrscht ein aufgeregtes miteinander, vorfreudiges grinsen und man merkt mal wieder, dass man nun doch schon zu dem publikumsteil gehört, der gerade noch nicht den seniorenausweis vorzeigen kann... eintauchen in ein meer aus tätowierten armen, augenbrauenpiercings und neu! nun auch cheapmondayjeans. ein, zwei bier von wegen der vorbereitenden beachtung des flüssigkeitshaushaltes. schließlich sah man vor 3 jahren die beatsteaks zuletzt im conne island und erinnert sich noch gut an die völlige dehydratation nach 1 1/2 stunden saunatanzens... im conne island, was es immer noch schafft, drinnen wesentlich stylischer zu sein als die gesprühten hauswände vermuten lassen, ohne dabei den anarchocharakter zu verlieren, wird´s eng. und da, myspacefreunde auf der bühne. lange hatte man sich gefragt, wer die herren beachbuletten heute abend supporten dürfte und dann waren es tatsächlich die haudegen der radio dead ones, die dreckspunk spielten und ihn augenscheinlich auch leben. eher belustigt standen große teile des publikums, aber zunehmend wurde auch getanzt und großartige punkgesten, wie gespucktes wasser und schnodderige ansagen beklatscht. die magdeburger, oh, die berliner machten es kurz und schmerzlos und waren nach knapp 30 minuten durch ihr set gejagt. zack.
nun hieß es „anhalten!“, wenn man einen bühnennahen platz nicht zugunsten einer leeren harnblase aufgeben wollte. sardinenbüchse kein ausdruck. doch ließen sich die herren beatsteaks genüßlich zeit, schlappten ab und an mal durch den bühnenhintergrund und ließen sich augenscheinlich zunächst im backstage noch den ein und anderen gerstensaft munden. als dann die bühne bereitet war und das publikum in reihe stand und die nahezu feierliche stimmung vor spannung kaum noch auszuhalten, öffnete sich wie ein adventstürchen der backstage und die jungens ergriffen die gitarren und sticks und legten los. und interessant war, dass es auch für sie augenscheinlich ein ganz besonderes konzert war. es läßt sich nur so beschreiben: wir spielen nach langer zeit endlich mal wieder bei guten freunden und hier geht es nicht um verkaufszahlen, hier geht es nur um uns und die leute da unten, die verdammt nochmal einen guten abend haben sollen und um den punkrock. hier sind wir als band, egal wie viele leute uns hören, da seit ihr, das publikum, das uns ganz bewußt heute abend hier sehen will.
so stören die kleinen bühnenabsperrungen kaum. es stört nicht, dass man nach fünf minuten im schweiß von dreihundert anderen steht. heute abend ist man bereit, sein letztes zu geben. egal, ob man morgen noch sprechen kann. egal, ob die digicam in stücke zerbricht. jetzt heißt es, 90 minuten draufhalten.
die beatsteaks jagen durch ihre hits. smacksmash funktioniert, living targets brennt, die wohnzimmer ep ist eh legendär und tatsächlich funktionieren auch die neuen songs von limboh messia perfect. und das auch dann, wenn die musiker selber mal etwas unsicher sind. es ist äußerst sympathisch, zu sehen, wie arnim und peter bei cut off the top den einsatz verpassen. wie arnim mal unsicher zu bernd rüberschielt und der ihm aufmunternd zunickt, als wolle er sagen: „mach einfach, arnim, du hast den song schon hundertmal gesungen, du kannst das...“ es menschelt auf der bühne. so sehr, dass man schon angst um arnim hat, als er nach wiederholtem mikrofonaussetzer etwas frustriert das ding zu boden wirft und von der bühne verschwindet. natürlich denkt man zuerst, er würde sich seinen weg zum mischpult bahnen, um von dort die show fortzusetzen, doch als dann nach geraumer zeit auch peter besorgt in den saal schaut und seinen sänger als vermisst abkündigt, wird´s schon wieder mal besonders. aber dann taucht arnim am foh auf und vollführt einen klassischen salto ins publikum, das ihn zum ausklang von „atomic love“ dann zur bühne zurück trägt.
natürlich viel zu schnell ist das ende des konzertes erreicht. euphorisch gefeiert kehrt die band für drei zugaben auf die bühne zurück. und bringt nun auch „let me in“, das wahrscheinlich auch die letzten zögerer zum besuch des conne island bewegt hat. denn die kurze szene eines geschlossen aus der hocke aufspringenden publikums, die wohl zu den ältesten videos auf youtube gehört, stammt aus dem ci und macht einfach lust auf mehr. als die letzten watt aus den boxen geraucht sind, bedankt sich eine überglückliche berliner band artig und ehrlich gerührt bei den anwesenden, die nur dank des umsichtigen einsatzes mehrerer wasservernebler und -flaschen durch die veranstalter noch zu letzten ekstatischen appläusen fähig sind. und glücklich machen sich die völlig durchnäßten gäste auf den heimweg, wie lang er auch sein mag. familiär kein ausdruck für den abend. fast schon wie ein wohnzimmerkonzert...
beatsteaks-nassgeschwitzt
Two Gallants
Two Gallants
15. Mai 2007 im Postbahnhof (B)

Wie ich vor einigen Rezensionen schon erwähnt habe: Ich finde Sitzkonzerte komisch. Und dann noch im Postbahnhof, wo es keine aufsteigenden Ränge gibt und man auf Gedeih und Verderb davon abhängig ist dass der Vordermann kein Riese ist oder nen Afro hat. Und dann ist da noch die Tatsache, dass ich Two Gallents letztes Jahr im White Trash noch recht rockig fand, also nicht so hinsetzgeeignet. Aber diesmal: die Gitarre akustisch, das Schlagzeug sparsam, und nach der Hälfte der Zeit noch eine junge Frau am Cello. Das Problem dabei: Nach drei Liedern kennt man schon alle Akkorde des Abends, der Gesang offenbart auch nix Neues mehr und man würde Gott weiss was dafür geben wenn das Tempo wenigstens ein bissl anziehen würde. Ich bin seit 4 Uhr früh auf den Beinen und muss aufstehen und rumlaufen um nicht wegzudösen. Und ich bin nicht der einzige der sich an den Rand stellt, selbst in der ersten Reihe werden Plätze frei. Und wie ich mich nach vorn setze und neben mich schaue: ja, da schläft tatsächlich einer. Genug gemotzt, die Musik war ja trotzdem schön, vor allem dank Cello. Vielleicht wenn ich wacher gewesen wäre? ps
Get Cape. Wear Cape. Fly
Get Cape. Wear Cape. Fly
20.03.2007 – Mercury Lounge, New York

Die Vorband verpasse ich, weil ich nicht damit rechne so früh im Club auftauchen zu müssen. Get Cape. Wear Cape. Fly spielt an diesem Abend in der Mercury Lounge nur die early show. Gegen 22 Uhr werden alle raus geschmissen damit die Veranstalter am selben Tag ein zweites Mal Eintritt nehmen können. Die späte Show mit Fujiya & Miyagi ist dann sogar ausverkauft, aber über diese Band berichte ich vielleicht ein anderes Mal. Zurück zum Auftritt von Sam Duckworth aka Get Cape. Wear Cape. Fly. Das Intro Magazin verwendet für diesen 20-jährigen Herrn aus Essex, nordöstlich von London, neben den Schubladen Indietronic, Folk und Pop auch das Wort Emo, berichtet von seiner Vergangenheit in Hardcore-Bands und wie eine rassistische Anmache den nicht ganz weiß aussehenden Sam zu einem Song inspiriert hat. Sein Album heißt: The Chronicles Of A Bohemian Teenager. Unter den Bildern auf seiner myspace-page findet sich ein Cover des „punk metal and rock“ Magazins Big Cheese aus London auf dem Sam neben Musikern von Coheed & Cambria und Thrice zu sehen ist und auf seiner regulären Webseite steht der Hinweis: „In his teenage years he served time in local hardcore bands, before realising that he could say more on his own.“ Dies alles sehe und lese ich nun erst im nachhinein. An jenem Abend in der Mercury Lounge sehe ich einen gut aussehenden jungen Mann mit seiner Gitarre auf die Bühne kommen. Im Saal ist noch relativ viel Platz. Es sind vielleicht 30 oder 40 Zuhörerinnen und Zuhörer gekommen. Bei manchen Liedern wird Sam von einem Schlagzeuger begleitet, bei anderen kommen die Beats aus dem Laptop und bei wieder anderen Liedern hört man nur Sams Stimme und Gitarre. Dass er beides sehr gut beherrscht merkt man recht schnell. Die schnelleren fröhlichen Stücke machen sogar richtig Spaß. Schwächer wird das Konzert, wenn Sams Stimme weinerlich wird und man bei den langsameren Stücken beginnt die Texte zu verstehen. Nach einem langen Monolog über Krieg, Frieden und George W. Bush und darüber dass diese Welt so viele Probleme hat, weil die Menschen zu wenig kommunizieren, kommt ein Song, der erklärt wie man alle Kriege und vor allem den Nahost-Konflikt beenden kann. Wie genau das ablaufen soll, habe ich mittlerweile wieder vergessen, aber die Lösung lag auch irgendwo im Bereich „mehr/bessere Kommunikation“. Dass „drüber reden“ hin und wieder nicht die schlechteste Möglichkeit ist, ist klar. Ob Sams politisches Engagement als Beweis für die von der neuen Spex aufgestellte These „The kids are alright“ herhalten kann, ob seine Appelle nur ein Spiegelbild der Amerikakritik des Alten Europas sind oder ob wie es Sven Regener in der taz formulierte Politik in der Popmusik sowieso nichts zu suchen hat, soll an anderer Stelle diskutiert werden. Die Position des Autors dieser Rezension ist dabei einigermaßen klar. robert
Bodi Bill - No More Wars
Bodi Bill - No More Wars
Sinnbus Records

Kann sich jemand an diese Sturmnacht im Januar erinnern? Orkanwarnungen im Radio, die Bahn hatte tagelange Ausfälle danach. Ich nahm das Ganze als Anlass eher Feierabend zu machen (es gab Gerüchte die BVG würde den Betrieb am Abend einstellen). In meinen Kopfhörern hörte ich das erste mal Bodi Bill, während ich durch ein windstilles Belin lief. Es war herrlich! Auf den Straßen sehr wenig Menschen, über allem ein Knistern, die Erwartung des Unwetters, hin und wieder eine leichte Brise und man dachte: „Jetzt!“ Die Musik passte perfekt.
Das Berliner Elektronikduo Bodi Bill bringt fast spartanische Synthies und trockene Beats zusammen mit einer abgeklärten Stimme... Und über allem ein Knistern der Erwartung. Hin und wieder zieht das Tempo etwas an, und irgendwie versetzt es einen zurück in die 80er, als Elektronische Musik noch Kraftwerk hieß. Später lief ich nach Hause, stemmte mich gegen den Orkan, musste mich an Laternen festhalten und sah zu wie Ladenschilder auf den Gehweg krachten. Und im Ohr immer noch „No more wars“.
Kids On TV - Mixing Business...
Kids On TV
Mixing Business With Pleasure
Chicks On Speed Records, bereits erschienen

»Kids On TV sind schwer zu fassen. Sie spielen mit Erwarungshaltungen, mit Masken und Verkleidungen. Und mit Musik. (Achtung, kurzes Abschweifen) Es gab früher immer zwei Sorten von Kindern, wenns um Lego ging: Die einen versuchten möglichst genaue Modelle zu bauen, wo Farbe und Form stimmten. Den anderen war das so ziemlich egal, die steckten rote an blaue an gelbe Steine, und am Schluss hatte man ein buntes Etwas, dass für die Erwachsenen kaum greifbar war, für die Kinder aber die tollste Sache auf der Welt (Abschweifung Ende). Kids On TV gehörten definitiv zur zweiten Kategorie. Aus House, Punk und Pop bauen sie bunte Songstrukturen, jagen das noch durch ein paar Verzerrer und pappen auf diese tanzbare Mischung noch ein paar sehr offenen Texte. Boy George nannte das sehr treffend „Kamikaze-Queer-Pop“ und liess es sich nicht nehmen auf der Platte einen Gastauftritt hinzulegen. Zu den erwähnten sehr offenen Texten: Die Band kommt aus der schwul-lesbischen Szene von Toronto, und singt/schreit/spricht über ihre Sexualität, über Zwänge und Emanzipation. Da geht es um Körperkult, um den „Hanky Code“ (Schwule stecken sich verschiedenfarbige Taschentücher in ihre Gesäßtaschen, um ihre sexuellen Vorlieben zu signalisieren) um Klischees und Sex. Alles in allem: Sehr tanzbare Musik mit Anspruch und Aussage.
Call Me Lightning, The Big Sleep...
Call Me Lightning, The Big Sleep, Les Savy Fav
01.04.2007 – The Bowery Ballroom, New York

»Frenchkiss Records veranstaltet ein Showcase im Bowery Ballroom in New Yorks Lower East Side. Die Halle ist ausverkauft. Es sind etwa 800 Leute da. Als erstes kommen die drei Jungs von Call Me Lightning aus Wisconsin auf die Bühne. Es wird laut. Es geht nach vorne. Zwischendurch wird sogar geschrien. Mit Soft Skeletons haben sie kürzlich ein tanzbares und insgesamt sehr grandioses Indierock Album veröffentlicht. Der Hit Billion Eyes bringt mich zum mitsingen oder eher mitgrölen. Ich beginne mich selbst zu eher frühen Stunde des Abends zur sehr rhythmusbetonten Musik zu bewegen. Im Mai sind Call Me Lightning in den Vereinigten Staaten mit Pretty Girls Make Graves auf deren Abschiedstour unterwegs. Zu dumm für alle, die auf dem falschen Kontinent wohnen. Die zweite Band ist The Big Sleep. Ein Mann versteckt sich hinter seinen langen schwarzen Haaren und spielt Gitarre. Eine Frau mit der gleichen Frisur spielt Bass und steht am Keyboard. Im Hintergrund sitzt ein Mann an einem Schlagzeug. Verzerrer kommen zum Einsatz. Es wird psychedelischer. Die Frau spricht bei ein paar Songs ins Mikrophon, wirkt dabei sehr schüchtern. Ansonsten steht die Gitarre eindeutig im Vordergrund. Die Band kommt aus Brooklyn. Die Musik ist weniger zum tanzen. Es geht mehr darum sich an die Gitarrenwände anzulehnen und fallen zu lassen. Ich bin wegen der dritten Band gekommen und doch froh früh genug dort zu sein um die ersten beiden Bands mitbekommen zu haben. Auf der Bühne wird umgebaut. Zwischen den Leuten, die Instrumente hin und her tragen, taucht der Sänger von Les Savy Fav Tim Harrington auf. Er hat ein Handy am Ohr. Er trägt ein schickes Jacket, dazu einen farbigen Schal. Die Show beginnt schon während der Umbaupause. Er tut wie ein geschäftiger Manager, schaut mehrfach auf die Uhr, spricht zwischendurch affektiert mit einigen Umbauhelfern und wirft seinen Schal gekonnt umher. Schließlich ist es nochmal kurz ruhig auf der Bühne bevor die anderen drei Bandmitglieder vors Publikum treten. Harrington kommt zurück auf die Bühne, während die Musik bereits spielt. Er trägt nun ein grell-gelbes Indianerkostüm mit Federschmuck und widmet das erste Lied den „native-americans“ im Raum. Kurz darauf kündigt er an: „this is our last song“. Er springt umher. Er ist nicht gerade von schmaler Statur und schleudert seine gesamte Körpermasse über die Bühne. Er verheddert sich im Mikrophonkabel. Relativ früh kommt mein Lieblingshit „yawn, yawn, yawn“. Harrington hat zu dieser Zeit schon sein Kostüm durchgeschwizt und beginnt sich auszuziehen. Er wirft immer wieder das Mikrophonkabel ins Publikum um dann hinterher zu springen. Er wälzt sich auf dem Boden zwischen den Fans. Er winkt einen am Rande stehenden Kameramann zu sich und küsst ihn lange auf den Mund. Er fragt das Publikum nach einem Stift. Die erste Reihe darf auf seinen Körper malen. Mittlerweile hat er nur noch eine ziemlich hässliche weiße Unterhose an. Nicht viele Stellen seines Körpers bleiben unberührt. Der Rest der Band spielt währenddessen die ganze Zeit relativ teilnahmslos. Es gibt ein paar neue Stücke. Nach der Singlezusammenstellung Inches aus dem Jahr 2004 soll bald endlich ein neues Album folgen. Das Publikum tanzt für amerikanische Verhältnisse sehr ausgelassen. Les Savy Fav sind aus New York und spielen Indierock der lauteren Sorte. Man hört post-punk und art-punk Einflüsse. In den Vereinigten Staaten sind sie unter anderem aufgrund ihrer seltenen Auftritte legendär. Ich bin glücklich solch einem Ereignis beiwohnen zu dürfen. Sehr viel Spaß für 18 Dollar. Ob ich von diesem Abend noch meinen Enkeln erzählen werde? Ich glaube schon! Robert
Malcolm Middleton
Malcolm Middleton
30. April 2007 im Magnet (B)

Im Magnet habe ich seinerzeit (okay, letztes Jahr) Arab Strap gesehen, ein eher durchwachsenes Konzert mit mäßigem Sound und einem gelangweilten Malcolm Middleton, der sich während des Saiten-zupfens die Mitteilungen auf der Bühnentür durchgelesen hat. Auch die Vorband (Lucas in Love oder so ähnlich) war unterirdisch. Meine Erwartungen waren also relativ weit unten, aber nachdem das Album „A Brighter Beat“ schon sehr überraschend war, ging ich mit einem zarten Pflänzchen Hoffnung im Herzen zum Konzert.
Am Ende war es richtig geil. Fing schon mit dem Publikum an, war nicht so schrecklich voll dass man Probleme gehabt hätte das Bier in die erste Reihe zu kriegen, aber auch nicht so leer dass man sich vorm Künstler allein vorgekommen wäre. Danach die Vor-“band“: Strike The Colours. Im Prinzip Jenny Reeve solo, nur hin und wieder unterstützt von Stevie Jones an der Gitarre, wenn sie Geige spielt. Herrlich. Beide spielen auch in der Band von Malcolm Middleton, also nicht die schlechteste Support-Wahl.
Nach kurzer Pause gehts dann zum Hauptact - Malcolm himself. Er schaut schon ein wenig griesgrämig drein, aber dann gehts schon mal vorwärts mit E-Gitarre und ordentlich Druck vom Schlagzeug. Die Texte bleiben natürlich traurig bis melancholisch, und zwischen den Liedern verdreht er auch schon mal die Augen wenn eines seiner Bandmitglieder irgendwas nicht ganz so schnell und richtig macht wie er es gern hätte, aber je länger der Abend desto öfter ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht. Mein kleiner persönlicher Höhepunkt des Abends: Fight Like The Night, im Duett mit Jenny Reeve: to die for. Das Publikum übersät mit verträumten Gesichtern, wenn schon nicht tanzend, dann wenigstens kopfnickend. Er spielt hauptsächlich vom neuen Album, ich vermisse mein Favorit „Speed On The M9“, aber das hätte auch nicht so gut reingepasst, also sei´s drum. Nach dem Konzert schaffe ich es noch ihn und seine Bandmitglieder auf dem Tourplakat signieren zu lassen, und wisst ihr was? Er hat gelächelt. bah
bodi bill - no more wars
bodi bill
no more wars
sinnbus records, bereits erschienen

Kann sich jemand an diese Sturmnacht im Januar erinnern? Orkanwarnungen im Radio, die Bahn hatte tagelange Ausfälle danach. Ich nahm das Ganze als nlass eher Feierabend zu machen (es gab Gerüchte die BVG würde den Betrieb am Abend einstellen). In meinen Kopfhörern hörte ich das erste mal Bodi Bill, während ich durch ein windstilles Belin lief. Es war herrlich! Auf den Straßen sehr wenig Menschen, über allem ein Knistern, die Erwartung des Unwetters, hin und wieder eine leichte Brise und man dachte: „Jetzt!“ Die Musik passte perfekt.
Das Berliner Elektronikduo Bodi Bill bringt fast spartanische Synthies und trockene Beats zusammen mit einer abgeklärten Stimme... Und über allem ein Knistern der Erwartung. Hin und wieder zieht das Tempo etwas an, und irgendwie versetzt es einen zurück in die 80er, als Elektronische Musik noch Kraftwerk hieß.
Später lief ich nach Hause, stemmte mich gegen den Orkan, musste mich an Laternen festhalten und sah zu wie Ladenschilder auf den Gehweg krachten. Und im Ohr immer noch „No more wars“.
bah
monotekktoni - love your neighbour?...
monotekktoni
love your neighbour? no, thanks.
sinnbus records, bereits erschienen

»Schon den Albumtitel kann man ja als Antithese zu Bodi Bills „No More Wars“ vom gleichen Label verstehen. Und so geht auch das, was Tonia Reeh aus der Technik quetscht, tritt und prügelt in eine völlg andere Richtung. Sie ist wütend, und das darf man gern auch hören. Die Beats peitschen, die Effektgeräte kreischen, hektisch zappelt sich die Platte immer weiter vorwärts, während ihre Stimme meist ruhig, aber bestimmt ansagt, was nicht stimmt in ihrer Welt. Und mit ihrer Welt meint sie unsere, das hier ist nicht privat, das ist politisch im globalen Maßstab. Mittendrin ein Stück Klaviermusik, zum Luftholen, bevor der Kampf weitergeht, denn est ist schon vier Uhr Morgens und immer noch nicht die Hölle. Hands Up!!
plants